Augenblicke – Gesichter einer Reise

Bei Betreten des Kinos wird bereits klar, die eine Hälfte des Publikums ist gekommen, um dem Streetartkünstler JR zuzuschauen, die andere Hälfte, um noch einmal einen Film von Agnes Varda zu sehen. Jung und alt treffen zusammen. Und so scheint auch die Dokumentation ein Bericht des Einbruches der jugendlichen Energie in die verschlafenen Dörfer Frankreichs zu sein. Der Film ist eine Reise durch die Geschichten verschiedenster Menschen, erzählt durch Fotografie.

Der Künstler JR nimmt Agnes Varda in seinen Fotowohnwagen mit zu einer Reise durch das ländliche Frankreich. Wo sie halten, fotografieren sie die Gesichter der Anwohner, inspiriert durch die Geschichten, die ihnen erzählt werden. Im Großformat werden die Fotos dann auf Gebäude, Ruinen, Lastwagen oder alte Bunker geklebt.

JR hat sich vor allem einen Namen durch seine politischen Projekte gemacht. So beklebte er 2007 (Face 2 Face) die Wand die Palästina durchtrennt mit den Gesichtern der palästinensischen und israelischen Bewohner. Und im folgenden Jahr verzierte er die Wände der Häuser in den Favelas (Morro da Providência) von Rio de Janeiro mit den Augen der Anwohner, die so auf das reiche Stadtzentrum niederblicken.

Agnes Varda hingegen hat auf ganz andere Art mit Kunst revolutioniert. Sie war Fotografin und eine der ersten Gestalten, die durch die Nouvelle Vague, die neue Welle des französischen Kinos, ihre Bilder zum Leben brachte (z.B. Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7). Und so zieht sich mit ihr durch den Film eine nostalgische Erinnerung an diese goldene Zeit der Fotografie und Filmkunst.

Diese zwei Künstler, die äußerlich nicht verschiedener erscheinen könnten, nehmen uns mit auf eine Reise, wo wir Geschichten hören dürfen, die sonst ungehört blieben.

Diese Dokumentation bringt uns ins Bewusstsein, dass jeder Ort nicht getrennt von seinen Bewohnern wahrgenommen werden kann. Dass jeder Ort seine Geschichte hat, jede noch so unauffällige Person ein ganzes Universum in sich trägt. Die Arbeiten von JR mögen weniger rebellisch wirken als seine früheren Projekte. Viel mehr führt uns dieser Film in die eigene Heimat zurück und zeigt auf, dass unsere Nachbarn, unsere Großeltern, vielleicht die Kellnerin von unserem Lieblingscafé die eigentlichen Revolutionäre in unserem Leben sind. Wenn wir nur ihre Geschichte hörten.

Hello world.

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