Reise nach Kythera

Nach 30-jährigem Exil in Russland kehrt Spyros in seine griechische Heimat zurück. Seine Tochter Katherina und sein Sohn Alexandros (aus dessen Perspektive der Film erzählt wird) holen ihn von der Fähre ab. Als Spyros das Schiff verlässt, rätseln die beiden noch, ob der ältere Herr mit Geigenkoffer in der Hand denn überhaupt ihr Vater sei und nicht doch irgendein Betrüger, der sich als ihr Vater ausgebe. Der verloren geglaubte Mann und seine Kinder treffen aufeinander – es ertönt jedoch weder herzerwärmende Streichmusik, noch fließen Tränen der Freude – sondern es folgt eineverhaltene Begrüßung und eine schweigsame Autofahrt nach Hause. Dort erwartet den Vater seine Frau Voula, die 30 Jahre lang auf seine Heimkehr gewartet hat, später sind noch viele alte Freunde geladen. Voula sollte doch eigentlich überglücklich sein, dass ihr geliebter Ehemann zurück ist, doch sie zieht sich während des Gästebesuchs in ihr Zimmer zurück und auch Spyros verlässt die Feier nach kurzer Zeit wieder und verbringt die erste Nacht zurück in der Heimat in einem Hotel. Diese ersten Szenen in „Die Reise nach Kythera“ vom griechischen Regisseur Theo Angelopoulos lassen vermuten, dass es sich in diesem Film nicht um eine klassische Familienzusammenkunfts-Geschichte handelt. Vielmehr ist es ein Film, wie Angelopoulos selbst beschreibt, über eine Heimkehr die wieder zur Abreise wird und der erste Teil seiner selbst bezeichneten „Trilogie des Schweigens“. In der Tat bleiben dem Zuschauer viele Fragen offen, denn die Protagonisten sprechen kaum miteinander. Was hat Spyros zum Beispiel so lange im russischen Exil gehalten? Wie hat er dort seine Tage verbracht? In einer kurzen Sequenz gesteht er seiner Frau, dass er eine Familie gegründet hat und deshalb nicht vorher zurückkehren konnte. Aber warum kehrt er überhaupt zurück? Für Spyros scheint das Exil nicht seine neue Heimat geworden zu sein, doch auch seine altes Zuhause hat sich in seiner langen Abwesenheit verändert. So bringt er seine Gemeinde gegen sich auf, als er sich weigert, sein Haus für den Bau eines Skiressorts zu verkaufen.Die Polizei wird auf Spyros aufmerksam und weil dieser seine griechische Staatsbürgerschaft nicht nachweisen kann,soll der alte Mann wieder ausgewiesen werden. Es scheint, als sei für Spyros kein Platz mehr in der alten Gemeinde zu sein. Vollkommen heimatlos versucht er sich an Vergangenes wie dem alten Haus zu klammern. Den letzten Halt bietet ihm seine Frau. Sie will mit ihm ins Exil gehen und beidetreten am Ende des Films die Reise nach Kythera an. Kythera- die „Insel der Liebe“- ist nach der griechischen Mythologie der Geburtsort der Liebesgöttin Aphrodite. Finden Voula und Spyros dort ihr Glück in der Liebe zueinander? Doch gleichzeitig steht Kythera auch als Symbol für vergangeneTräume und Enttäuschung, wie in Charles Baudelaire‘s Gedicht „Reise nach Kythera“ dessen Titel der griechische Filmemacher für seinen Film übernommen hat. Für Voula und Spyros scheint eher die letztere Deutung zuzutreffen. In der finalen Einstellung des Films treiben die beiden allein auf einem Floß auf dem Meer – die Reise nach Kythera wird eine Reise in den Tod.Die Reise nach Kythera ist ein Film, der sich sicherlich auf mehreren Ebenen deuten und erfahren lässt . Für mich sind es vor allem die für Angelopoulos und Kameramann Giorgos Arvanitis typischen Plansequenzen, in denen man sich verlieren kann.Es sind die Bilder vom verregneten ländlichen Griechenland, von alten verlassenen Gebäuden oder von leeren ausdruckslose Gesichtern,die zusammen mit Eleni Karaindrou‘s Soundtrack eine eindringliche Stimmung der Melancholie erzeugen, und die mich vollends in ihren Bann zogen

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