10.22, Klopfen an der Tür. Energisch. Ich drücke meine Zigarette aus, blicke nochmals an die durch
blauen Dunst verschleierte Zimmerdecke. Blauer Nebel, merkwürdig.
Klopfen, noch energischer. Die Tür vibriert im Takt.
– Ich komme, brülle ich und steh auf.
Das rythmische Klopfen lässt mich nicht los. Ich öffne die Tür und im gleichen Moment überläuft
mich Dean, drückt mir dabei ein Relikt des nie zu Ende geträumten Traums der 60er Jahre in die
Hände und positioniert sich typisch und markant im Zentrum des Raumes. Sein Blick scannt die
Atmosphäre, zerschneidet sie.
– Hör dir das an!, befiehlt er mit freundlicher Stimme und hält einen seiner energiegeladenen
Monologe.
Mein Blick wandert auf die Vinylplatte in meinen Händen. Mein Geist fixiert das Layout. Surreal,
Neugierde erweckt sich in meinem Verstand.
Whiskey Foundation
. Begeisterung, das neue
Album.
Blues and Bliss
, diese Wörter wiederholen sich immer langsamer in meine Gedanken.
– Leg die Platte auf!, Dean’s Körper zittert, voller Anspannung auf das nun kommende. Ich nehm
die Platte aus seinem Umschlag. Surrealismus, zugegeben, steht ihm. Die Platte beginnt sich zu
drehen und mit ihr auch mein bescheidener Kosmos. Muss mich setzen! Besser noch, liegen. Die
Musik beginnt, Dean beginnt zu tanzen und ich beginn zu wandern. Die Augen verschlossen.
Was ist das? Hört sich an… Durchdringend. Einvernehmend. Der erste Ton erklingt und die es stellt
sich die Frage, wohin wird mich diese Reise durch das Vinyl führen? Der immer wiederkehrende
Moment der Erkenntnis und Faszination. Die erste Sommernacht. Magie. Der Rauch, der blaue
Nebel erfüllt wieder den Raum. Und ja, wohin führt die jetzige Reise? Wohin der Trip? In die
gleichen Richtungen der vorangegangenen Alben? Ja! Definitiv! Der Drang zum Tanzen wächst
und die bluesige Stimme umfasst mich abermals. Meine Augen geschlossen. Kalifornien ein
stückweit näher. Orangene Sonne.
Die erste Seite endet und die zweite beginnt. Ich öffne mir ein Bier.
This is the best part of trip!
‘Free my mind’ fängt an und ich muss die Frage mit Nein! beantworten. Diese Richtung ist neu. Ich
versinke mehr und mehr in meine Couch. Musikalische
Dissoziation. Ich höre das Klavier und mein
Gehirn schafft Assoziationen. Pink Floyd? Progressiver. Das Lied wird nicht enden! Das Album
wird nicht enden!
Music is your only friend… until the end.
Ich setze mich auf, blicke Dean fassungslos an. Ich nicke zufrieden. Bin begeistert. Und bin
gespannt auf die Live-Performance